Circular Economy lebt vom Austausch – und manchmal trifft man auf ein Projekt, dessen Fragestellungen sich mit den eigenen fast nahtlos überschneiden. Genau so war es bei unserem Deep Dive Ende Mai, zu dem wir das Team des Projekts R-Evolve eingeladen haben. Die Brücke zwischen beiden Vorhaben ist schnell erklärt: Das Wuppertal Institutist nicht nur in Circular.Office aktiv, sondern auch bei R-Evolve maßgeblich beteiligt. Was lag also näher, als sich einmal intensiver auszutauschen?
Besonders spannend für uns war dabei ein Werkzeug, das im Rahmen von R-Evolve entstanden ist: der Circular Economy Business Case Calculator.
Was kann der Calculator?
Zirkuläre Geschäftsmodelle sind ökologisch sinnvoll – aber rechnen sie sich auch? Genau hier setzt der Calculator an. Er hilft dabei, die wirtschaftliche Tragfähigkeit zirkulärer Strategien zu bewerten, und zwar mit klassischen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wie dem Kapitalwert (Net Present Value). Unternehmen geben ihre eigenen Daten ein, das Tool berechnet Kosten und Erlöse entlang vordefinierter Prozess- und Materialflüsse.
Das Clevere daran: Der Calculator bildet verschiedene zirkuläre (Teil-)Strategien ab – von Reuse über Repair, Refurbishment und Remanufacturing bis hin zu Repurpose und Recycling. Für jede dieser R-Strategien sind die typischen Prozessschritte hinterlegt, etwa Rücknahmelogistik, Demontage, Reinigung, Aufarbeitung oder erneute Montage. So werden Kosten und Erlöse nicht pauschal geschätzt, sondern konkret an den Material- und Werteströmen festgemacht.
Vom linearen Basisfall zum durchgerechneten Szenario
Aufgebaut ist das Werkzeug in drei Schritten:
- Konfiguration – Über ein paar gezielte Fragen wird die passende zirkuläre Strategie ausgewählt.
- Dateneingabe – Das Unternehmen trägt seine eigenen Werte ein. Wo die vordefinierte Logik nicht exakt passt, lassen sich Kosten flexibel ergänzen.
- Ergebnisdarstellung – Cashflow, Kostenübersichten und Aufschlüsselungen werden grafisch aufbereitet.
Ein großer Pluspunkt ist der direkte Szenarienvergleich: Man kann etwa durchspielen, wie sich steigende Kosten für die Rücknahmelogistik auf die Wirtschaftlichkeit auswirken. Und obwohl das Tool ursprünglich aus einem „Möbelprojekt“ hervorgegangen ist, ist es bewusst branchenoffen gestaltet – es enthält keine ausschließlich auf Möbel zugeschnittenen Prozesse und lässt sich auf beliebige Produkte übertragen. Entwickelt wurde es zunächst als Excel-Anwendung, ganz bewusst, damit sensible Finanzdaten nicht in ein webbasiertes Tool eingegeben werden müssen.
Bereits im Einsatz – und mit Feedback zurück ans Team
Für unsere Projektunternehmen war der Calculator kein rein theoretischer Input. Er ist bei uns bereits zur Anwendung gekommen und hat sich als praktisches Hilfsmittel erwiesen, um zirkuläre Ansätze auch aus wirtschaftlicher Sicht greifbar zu machen. Die dabei gesammelten Erfahrungen und Anmerkungen haben wir direkt an das R-Evolve-Team zurückgespielt – ein schöner Beleg dafür, wie projektübergreifende Zusammenarbeit beiden Seiten weiterhilft.
Jetzt frei verfügbar: Version 1.1
Die gute Nachricht zum Schluss: Die Arbeiten am Tool sind vorerst abgeschlossen, und die überarbeitete Version 1.1 ist frei verfügbar. Neben einzelnen Bugfixes bringt das Update eine robustere Benutzeroberfläche sowie neue Funktionen mit – darunter den erwähnten Szenarienvergleich und eine Auswertung nach Kostenarten.
Wer den Calculator selbst ausprobieren möchte, findet ihn samt kurzem Handout zur Erklärung der Prozesslogik zum Download auf Zenodo. Das R-Evolve-Team freut sich ausdrücklich über Rückmeldungen und geteilte Nutzungserfahrungen – der Kontakt ist im Tool hinterlegt.
Ein herzliches Dankeschön an Niklas Hoffmann, Martin Perau und das gesamte R-Evolve-Team für den offenen Austausch. Genau solche Kooperationen bringen die Kreislaufwirtschaft voran.
Der CE Business Case Calculator ist ein Ergebnis des Projekts R-Evolve, das aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont Europa der Europäischen Union gefördert wird.


















